Statement zum aktuellen Diskurs zur Situation im Strandbad

Der Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow (CDU) übt scharfe Kritik an einer bisher unbekannten Gruppe von Jugendlichen aus und verliert dabei die Kontrolle.
In den vergangenen Wochen ist es in der Badeanstalt, die durch die kommunale Beschäftigungsgesellschaft SIC betrieben wird, zu mehrfacher Beschädigung von verschiedenen Gegenständen gekommen. Auch wurden vermeintlich unter anderem Glasscherben gezielt im Sand versteckt, sodass es zu erheblichen Verletzungen kommen kann. Verständlicherweise sind die Mitarbeiter_innen des Strandbades wütend über diesen Zustand. Auch wir, der Verein zur Förderung alternativer Jugendkultur in Stralsund, kritisieren eine derartige Zerstörung und Gefährdung von Menschen. Dennoch möchten wir uns an dieser Stelle kritisch zu den aktuellen Ereignissen äußern.

„Wir kriegen euch“
Der amtierende Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow bedient sich im aktuellen Diskurs um die Vorkommnisse im hiesigen Strandbad einer Rhetorik, die in dieser Form kaum gerechtfertigt ist. Einem Artikel der „Ostseezeitung Stralsund“ ist zu entnehmen, dass Herr Badrow die Jugendlichen als „Spacken“ bezeichnet, „die nichts anderes zu tun haben, als Strandkörbe anzuzünden und abgebrochene Glasflaschen so zu vergraben, dass Kinder sich daran die Füße aufschneiden“. „Stralsund schämt sich für euch.“ heißt es weiter. (1)
Wir betrachten die Aussagen des Oberhauptes der Stadtverwaltung als klare Beleidigung gegen junge Menschen. Die Aufgabe der kommunalen Verwaltung ist es jedoch Jugendliche aufzufangen und Angebote zu schaffen, in denen sie sich ganzheitlich entwickeln können. So heißt es beispielsweise im SGB VIII, dass die Verwaltung den Auftrag hat, junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern und dazu beizutragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen.
In der Hansestadt Stralsund wird jedoch auch weiterhin fast ausschließlich auf den Ausbau als Tourismusstandort gesetzt. Angebote der offenen Kinder- und Jugendhilfe werden kaum bis gar nicht unterstützt. Junge Menschen haben wenig bis keine Anlaufpunkte und Orte, an denen sie ihren Bedürfnissen nachkommen können. Die örtliche Verwaltung sendet mit diesem Kurs klare Signale dafür, dass sie sich wenig für Jugendliche in unserer Stadt interessiert. Angebote und Projekte sind nur dann von Interesse, wenn sie wirtschaftlich lukrativ und rentabel sind.
In den vergangen Jahrzehnten verschwand in der Hansestadt ein Jugendtreffpunkt nach dem anderen. Zwar gibt es hier und da noch ein paar Angebote, doch auch diese werden immer weniger und zu einem großen Teil ehrenamtlich betreut. So gut es ist, dass sich Menschen ehrenamtlich für Jugendliche engagieren, so traurig ist es, dass sich die kommunale Politik zu oft der Verantwortung entzieht.

Strandkorb-juist
Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/46/Strandkorb-juist.JPG; 26.06.18 um 11:30 Uhr

Ursachen überwinden
Anstatt also mit erhobenem Zeigefinger auf junge Menschen zu zeigen, sollte an den Ursachen solcher Handlungen gearbeitet werden.
„Wenn junge Menschen so handeln, ist es häufig ein Zeichen von großer Unzufriedenheit. Es zeigt, wenn meist auch unbewusst, die Wut und den Frust über fehlende Perspektiven. Wir müssen anders an die Sache ran gehen und Jugendliche da abholen, wo sie stehen.“, so Tom L. vom Verein zur Förderung alternativer Jugendkultur in Stralsund. „Ich bin schockiert darüber, wie in den sozialen Medien zum Teil kommentiert wird. Da fordern Leute, dass die Jugendlichen gejagt und eingesperrt werden sollen oder auch, dass das Strandbad wieder kostenpflichtig werden soll, sodass „die“ dort gar keinen Zugang haben. Die Konsequenz soll also sein, dass den jungen Menschen auch noch die letzten Orte genommen werden sollen. Das kann nicht die Lösung für das Problem sein!“ sagt er weiterhin.

Diskurs ja, aber nicht einseitig!
Es wäre zu wünschen, dass die Stadtverwaltung in dem aktuellen Diskurs eine objektive Stellung einnimmt und ernsthaftes Interesse an Projekten für Jugendliche zeigt. Anstatt also darüber zu sprechen, wie man die „Täter“ am härtesten bestrafen kann, sollten wir darüber sprechen, was wir in unserer Stadt ändern müssen, damit junge Menschen sich eingebunden und ernstgenommen fühlen.

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1 Benjamin Fischer und Marlies Walther, „Badrow an Randalierer: „Stralsund schämt sich für euch““, in: http://www.ostsee-zeitung.de/…/Badrow-an-Randalierer… [24.06.2018], zuletzt geprüft: 25.06.2018 um 09:10 Uhr.“

 

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