Konzept

Dies ist ein Auszug unseres Konzeptes. Alle Behauptungen, welche in diesem Konzept getätigt werden, basieren auf Erfahrungen der Verfasser, jungen Menschen, die Missstände selbst erlebt haben und sich dagegen wehren.

1. Ansatz*Hintergrund
Innerhalb der Stralsunder Jugend fanden und finden sich immer wieder Menschen, die mit ihrer Situation und politischen, kulturellen und sozialen Zuständen unzufrieden sind, die etwas bewegen und Verantwortung für sich und andere übernehmen wollen.
Diesen Menschen fehlt es an Raum ihre Ideen umzusetzen. Um diesem Mangel entgegenzutreten, haben sich einige Jugendliche aus Stralsund und Umgebung zusammengetan und eine Initiative ins Leben gerufen, die ein alternatives Kultur- und Jugendzentrum zum Ziel hat um allen Menschen die Chance auf Partizipation an gesellschaftlichen Prozessen zu bieten.
Aber nicht nur in Ermangelung von Räumen in denen sich mensch selbst verwirklichen kann, sondern auch als Ort in den wir und andere uns zurückziehen können, um abseits von neonazistischen Übergriffen, Konsumzwang, Ausgrenzung und Fremdbestimmung zu lieben, zu leben, zu lernen, zu lachen, zu feiern und etwas besseres als den Normalzustand auszuprobieren, soll das AKJZ Stralsund entstehen.
Wir haben hohe Ansprüche und sind selbst nicht perfekt. Manche mögen behaupten, das sei pseudomoralisch, doch wir haben die Ansprüche auch an uns selbst. Wir brauchen Platz um an uns zu arbeiten, uns zu finden und unseren Ansprüchen näher zu kommen.
Dieses Konzept soll keine Rechtfertigung sein, sondern eine Niederschrift unserer Ideen, die sie bündelt und in einen Zusammenhang stellt mit unserem Lebensumfeld und unseren Bedürfnissen.

2. Anspruch
Politisch
Das AKJZ Stralsund hat einen klaren politischen Anspruch, es ist dies ein emanzipatorischer, sozialer, ökologischer und folgerichtig ein klar antifaschistischer Anspruch! Das heißt nicht nur, dass wir einen politischen Willen haben, sondern auch, dass wir uns an der politischen Willensbildung beteiligen wollen, denn Politik ist kein verwaltender Zustand, sondern ein gestaltender und zu gestaltender Prozess.
Wir sehen uns dabei in einer unabhängigen und mündigen Position, jenseits von Parlamenten, Parteien, Gewerkschaften und anderen etablierten politischen Interessenvertretern, es geht uns um politische Selbstbefreiung und darum eine Alternative für alle zu bilden, die sich gesellschaftlich ausgeschlossen fühlen.
Dies ist nicht gleichbedeutend mit Verweigerung gegenüber genannten bürgerlichen Vertretern. Wir sind offen und kooperativ, wenn die Möglichkeit besteht gemeinsame Ziele mit gemeinsamen Wegen durchzusetzen.

Kulturell
Wir wollen Kultur schaffen, wir wollen Kultur einen Raum bieten, wir wollen Kulturschaffenden einen Raum bieten. Dazu wollen wir Platz schaffen für Menschen die in Ruhe laut sein wollen und für Menschen die Ruhe vor dem Lärm und der Hektik unserer Zeit suchen.
Wir haben den Anspruch allen die Möglichkeit zu bieten unabhängig von finanziellen Mitteln, Kultur zu schaffen und Kultur zu erleben.
Kultur darf kein Privileg sein, denn Kultur ist Bestandteil gesellschaftlichen Lebens.
Kultur ist vielfältig und nicht objektiv wahrzunehmen, es gibt daher keine gute und schlechte oder gar richtige und falsche Kultur, unser Anspruch ist von interkultureller Art, Kultur soll sich frei entwickeln und Grenzen durchbrechen können.

Alternativ
Wir wollen keine Konkurrenz für andere Projekte und Gruppen sein und auch nicht so wahrgenommen werden.

Unkommerziell
Mit unserem Engagement verfolgen wir nicht das Ziel uns finanziell zu bereichern, wir wollen eine Bereicherung des gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens für alle erreichen.
Das heißt, dass etwaige Gewinne nur zu diesem Ziel genutzt werden, etwaige Eintrittspreise oder Teilnehmerbeiträge so niedrig wie möglich gehalten werden und alle anfallenden Arbeiten ehrenamtlich erledigt werden.

Emanzipatorisch
Wir wollen mit dem AKJZ Stralsund einen Ort schaffen an dem sich jeder Mensch unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Alter, sozialem Status, Religion, Herkunft und politischer Ausrichtung wohl fühlen kann. Dieser Ort steht allen offen, die sich mit unserem emanzipatorischen Anspruch identifizieren können.
Emanzipation bedeutet für uns vor allem auch politische Selbstbefreiung, um sich gegenüber reellen oder gefühlten Dominanten mündig sich zu machen, also einen Zugewinn an Freiheit.
Außerdem wollen wir nicht nur einen Wohlfühl- und Rückzugsraum schaffen, sondern auch emanzipatorisch auf unsere Umwelt wirken. Wir wollen Ungerechtigkeiten und Ausgrenzung offensiv begegnen.
Folgerichtig werden an diesem Ort Diskriminierung oder gar Übergriffe nicht geduldet.

Solidarisch
Solidarität bedeutet für uns Verantwortung zu übernehmen. Wir sehen es als notwendig an ökonomisch, sozial und auch ökologisch unhaltbare bzw. ungerechte Zustände zu überwinden und wollen nicht länger nur zusehen, sondern gestaltend mitwirken.
Außerdem sind wir solidarisch allen gegenüber, die ähnlichen Problemen und Kämpfen begegnen wie wir.

Bildend
Nach wie vor ist die Qualität von Bildung abhängig von finanziellen und sozialen Umständen, es ist keine Chancengleichheit gegeben, dazu kommt die Abhängigkeit der Bildung von ihren Anbietern.
Auch in diesem sehen wir uns als Alternative und sozialen Ausgleich.

Kontinuierlich Wandelbar
Dieses Konzept und unsere Gruppe sind nicht dogmatisch. Wir haben den Anspruch und das Recht in kontinuierlicher Veränderung begriffen zu sein, uns stetig zu verbessern, zu agieren und auf äußere Umstände zu reagieren.
Diese Veränderung wird immer aus eigenem Antrieb erfolgen und ist zwar nicht unabhängig, lässt sich aber nicht erzwingen, sie wird immer Resultat eigener Entscheidungen und Selbstreflektion sein.

Konsensfähig und unhierarchisch
Unsere Gruppe ist ohne Hierarchie organisiert und trifft Entscheidungen nach dem Konsensprinzip. Wir lehnen Autorität ab, egal ob von innen oder außen, wir wollen keinen Zwängen unterliegen und niemanden zwingen.

3. Angebote
Um unseren Ansprüchen gerecht werden zu können, wollen wir bestimmte Angebote machen, die wie folgt gestaltet werden sollen:

kulturelle*bildende*politische*Veranstaltungen
Um ein breites kulturelles, bildendes und politisches Feld zu bedienen, wollen wir Raum für verschiedenste Veranstaltungen bieten, ganz gleich ob sich dabei um Lesungen, Vorträge, Filmvorführungen oder dergleichen handelt.
Einen großen Bestandteil, vor allem jugendlicher Kultur, macht Livemusik aus, um dieses Bedürfnis zu bedienen wollen wir die Möglichkeit eröffnen, Konzerte zu veranstalten.
In diesem Rahmen sollen auch unbekannte Bands eine Plattform finden, denen Auftritte sonst nicht möglich wären.
Wir wollen also Konzerte organisieren, andererseits aber auch allen Interessierten die Möglichkeit bieten in unseren Räumen ihre eigenen Konzerte zu veranstalten.

Tresen*Café
Um gesellschaftliches Leben abseits von Ausgrenzung, Konsumzwang und Kommerz zu ermöglichen, wollen wir einen Raum öffnen, der zum geselligen Beisammen sein, reden, diskutieren und einfach da sein einlädt. Dieser Raum soll außerdem die Möglichkeit bieten Getränke auszuschenken.

„Infoladen“
Der sogenannte Infoladen soll Informationsmaterial bereit halten, welches nicht in üblichen Zeitschriftenläden erhältlich ist, soll über anstehende Veranstaltungen im AKJZ Stralsund und anderswo Auskunft geben und auch Bücher als Leihgabe bieten. Alles natürlich kostenfrei.

Internetcafé
In unserer Zeit ist das Internet eine der wichtigsten Kommunikationsmöglichkeiten und auch eine wichtige Informationsplattform. Vor allem für jugendliche Menschen ist das Internet oft großer Bestandteil ihres sozialen Lebens. Um allen Menschen die Chance zu eröffnen daran teilzuhaben wollen wir einen Internetzugang bieten.

Der Internetzugang ist auch wichtig um unserem Anspruch nach Bildung gerecht zu werden, denn häufig sind Aufgaben, die die Schule erteilt nur mit Computer und Internet zu erfüllen, allerdings ist keineswegs gewährleistet, dass auch ein Internetzugang im Haushalt des Schülers oder der Schülerin vorhanden ist. Ein Mangel den es zu beseitigen gilt.

Proberäume
Musik ist ein wichtiges Medium um kulturelle und politische Inhalte zu transportieren. Da dies Ansprüche unseres Vereins sind, gehören Proberäume ganz klar in unser Konzept. Musik ist eine Kunstform und jede Art von Kunst sollte nach unseren Maßstäben nicht von Profit abhängig sein. Aufgrund dessen wollen wir Künstler_innen eine bezahlbare Alternative zu den bestehenden Möglichkeiten bieten.

Vokü
Um Alternativen zu herkömmlichen Essverhalten zu bieten und auch um mehrmals in der Woche eine kostengünstige, warme und gesunde Mahlzeit zu bieten, wollen wir eine „Volksküche“ einrichten. Also eine offene Küche in der zusammen gekocht werden kann. Diese Küche soll allen offen stehen, die Lust haben für viele Menschen ehrenamtlich zu kochen.

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